RV08 – Genderperspektiven

Entscheidend gehen die Meinungen der Lehramtsstudierenden auseinander, wenn es um die Noten geht. Bei den weiblichen Studierenden haben die Noten eine höhere Bedeutung als bei den Männlichen. Erklärungen der Männer lauteten meist, dass sie schon in der Grundschule merkten, dass Mädchen besser lernen könnten und sie deshalb ihren Fokus von den guten Noten nahmen.

Die Inszenierung der Geschlechter wurde durch die Geschichte geprägt. Zunächst wurde die Frau in Bildungskontexten nicht anerkannt, dies galt bis zum 20. Jahrhundert. Dieses Bild hat sich aber stark gewandelt, das zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Grundschulen. Auf die Frage, warum es so wenig Männer in der Grundschule gebe, antworten Grundschüler, dass Frauen schlauer wären als Männer.

Im Seminar wurde die Koedukation, also die Beschulung beider Geschlechter zusammen, angesprochen. Es gibt eine Befürwortende und eine ablehnende Fraktion, Tatsache ist jedoch, dass sich die damals getrennten Schulen, nun zu einem Schulsystem entwickelten, in dem Koedukation überwiegend anzutreffen ist.

Zuschreibungen beschreiben die Erwartungen, die bewusst oder unbewusst gegenüber den Geschlechtern gelten. So gelten die Mädchen als ruhig und diszipliniert, während die Jungen sozial inkompetent wären.

Früher galt das katholische Arbeitermädchen vom Lande als „Bildungsverlierer“, heute ist dies der Migrantenjunge.

 

Aus meiner eigenen Schulzeit erinnere ich mich, dass die Mädchen ruhiger und fleißiger waren. Gute Noten und Sorgfältigkeit war ihnen wichtig (dem Großteil, es gab auch Ausnahmen, die wurden jedoch als negativ betrachtet). Die Jungen testeten ihre Grenzen, waren manchmal laut oder störten, auch hierbei gab es Ausnahmen.

Auch während meiner Praktika beobachtete ich, dass die Sorgenkinder immer Jungen waren und sie hatten auch häufig einen Migrationshintergrund. Sie kamen mit dem gelernten Stoff nicht gut mit und waren frustriert, wenn es Ärger gab, wurden sie sehr schnell für schuldig befunden. Im Unterricht machten sie dann oft kaum mit. Die Noten dieser Jungen waren meist in den unteren Bereichen, was die Schüler selbst nicht überraschte. Sie erwarteten schon keine guten Noten mehr und beschwerten sich oft, dass sie die Schule nicht mögen und nicht hingehen wollen.

Man könnte das Verhalten der Lehrkraft beobachten. Unterscheidet sich sein/ ihr Verhalten und seine/ihre Erwartungen bei den verschiedenen Geschlechtern, vor allem aber bei der Risikogruppe ((Migranten-)junge)? Werden die Leistungen alle gleich bewertet?