Labeling – Stigmatisierung – Diskriminierung

Besondere Erkenntnisse bot für mich als Studenten des Fachs Inklusive Pädagogik vor allem der Austausch in der Diskussionsphase mit den Mitstudierenden ohne Doppelqualifikation in ihrem Studiengang. Es fiel auf, dass in der konkreten Diskussion es den genannten Mitstudierenden schwerfiel, sich explizit auf das Prinzip der Inklusion zu beziehen – so wurde aus einer Diskussion aus einer Diskussion zur Umsetzung von Inklusion schnell eine Diskussion über Schwierigkeiten im Schulsystem generell. Dieses Phänomen ist auch im öffentlichen Diskurs häufig wahrzunehmen, was wir als Inklusionsverfechter*innen wissen und beachten sollten, um intervenieren und die Diskussion zurück auf eine sachliche Basis stellen zu können. Darüber hinaus bot mir die Vorlesung und die anschließende Diskussion leider keine weiteren Erkenntnisse – das hatte ich aber auch nicht wirklich erwartet.

Der Input-Vortrag von Frau Korff war wieder einmal sehr prägnant und hat sehr vieles sehr schnell zusammengefasst. Allerdings kam meiner Meinung nach der Punkt, warum Labeling in der Kritik steht (mögliche Stigmatisierung und Diskriminierung) zu kurz. Er ist meines Erachtens nach sehr zentral, um überhaupt die Notwendigkeit der Inklusion nicht nur an der UN-BRK, sondern auch pädagogisch begründen zu können.

Da ich nur wenige neue Erkenntnisse hatte, wird es wohl schwer, diese auf die Praxis zu beziehen, ich versuche es dennoch. Eine Situation aus dem Schulalltag: Ich war als Praktikant in der großen Pause mit auf dem Hof, als ein Junge auf dem Klettergerüst stürzte und aus der Nase blutete. Ich nahm ihn sofort mit und ging mit ihm in Richtung Sanitätsraum. Auf dem Weg kam uns seine Klassenlehrerin entgegen und sagte: „Was hast du denn jetzt schon wieder gemacht? Hast du dich geprügelt?!“ Wir erklärten die Situation. Später im Lehrerinnenzimmer nahm mich die Lehrerin nochmal zur Seite und verteidigte ihr Handeln mit den Worten: „Der ist halt lernbehindert.“ Dieses Beispiel zeigt ganz deutlich, wie das Label „lernbehindert“ (zu diesem Zeitpunkt hatte der Junge keinen diagnostizierten Förderbedarf!) das negative Bild der Lehrerin prägte und auch in ihren pädagogischen Umgang mit dem Jungen prägte – es zeigt also ganz plastisch, was bestimmte Label auch an negativen Auswirkungen haben können und warum eine zuschreibungskritische Pädagogik nötig ist.

Bisher habe ich mich in meinem Studium fast ausschließlich im Grundschulbereich bewegt – als angehender Inklusiver Pädagoge habe ich aber den Anspruch, mich nicht nur auf eine Altersgruppe zu beschränken, da dies exklusiv wäre. Es wäre also spannend zu beobachten, welche Konzepte es in der Praxis gibt, wie Inklusion an Oberschulen und Gymnasien gelingen kann ohne Kinder mit Förderbedarf aus dem Regelunterricht zu nehmen und wie das zusammenpasst mit der schulorganisatorischen Tatsache, dass der Förderbedarf an einzelnen Kindern festgemacht wird.

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