Englischunterricht sollte stärker inklusiv hinterfragt werden!

Englischunterricht in der Vergangenheit, aber auch noch heute, sprach und spricht häufig stark kognitive Fähigkeiten an. Besonders lässt sich das an der „Grammar Translation Method“ erkennen, bei der der Reihe nach Regeln der Grammatik eingeführt und erklärt werden. Später werden sie dann in schriftlichen Übersetzungen angewandt. Das ist eine rein kognitive Übung, die weit weg von kommunikativem Handeln ist.

Durch diese Art der Fokussierung auf die Schulung, das „Training“, der geistigen und logischen Fähigkeiten werden allerdings häufig Kinder ausgeschlossen und verlieren schnell die Motivation für das Fremdsprachenlernen. Auch ein häufiger Fokus auf perfekte Aussprache und das Ideal, möglichst mit perfekter Aussprache im Stile eines native speakers die Sprache zu beherrschen, befördern solche selektiven Effekte. Kinder, die andere Lerntypen bevorzugen werden häufig weniger beachtet und haben letztlich geringeren schulischen Erfolg im Englischunterricht.

In meiner eigenen Schulzeit erlebte ich kaum Differenzierung im Englischunterricht. Unabhängig von Lernständen oder Vorerfahrungen, wurde über viele Jahre hinweg zum gleichen Zeitpunkt von allen Schüler*innen der gleiche Wortschatz und die korrekte Anwendung grammatischer Regeln erwartet. Für erfolgreiche kommunikative Akte, die aber sprachlich nicht korrekt waren, wurde nur sehr selten gelobt und so bildete sich schnell eine Gruppe von „Guten Schüler*innen“ heraus. In der Oberstufe versammelten diese sich dann häufig im Englischleistungskurs, wohingegen die anderen eher den Grundkurs anwählten. Da wurde die Selektion dann noch weiter verschärft, da die Leistungskurse meistens von den (im allgemeinen Ansehen) „besten“ Englischlehrkräften unterrichtet wurden und das sprachlich erwartete Niveau dort deutlich höher war. Diese verschiedenen Aspekte führten häufig dazu, dass viele Schüler*innen der Spaß am Sprachenlernen schnell verging und nur wenige, gut benotete, Schüler*innen mit großer Motivation (auch außerhalb des Unterrichts) sich mit Englisch auseinandersetzten.

Um die genannten differenzierenden und selektierenden Aspekte sichtbar zu machen, könnte beispielsweise beobachtet werden, wie stark sich Schüler*innen verschiedenen Lernständen einbringen und wie die Lehrkräfte darauf reagieren. Dabei würde vermehrtes Lob und Verstärkung fortgeschrittenerer Schüler*innen die oben genannten Thesen belegen.

Andererseits ist es sicherlich auch unabhängig von einer hypothetischen Forschung sinnvoll und erstrebenswert, den eigenen Englischunterricht anhand inklusiver Schwerpunkte kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.