Diskriminierungssensible Pädagogik muss ein gutes Gespür für Homogenität und Heterogenität entwickeln!

Mechthild Gomolla beschreibt in ihrem Buch Migration und schulischer Wandel: Unterricht. (2009) unter anderem, wie Heterogenität durch das anlegen von Maßstäben konstruiert wird. Und das erscheint auch in der nüchternen Betrachtung einiger Klassen vollkommen nachvollziehbar: Wird eine Elite-Schule betrachtet, an der alle Schüler*innen einen in ihrer weiteren Lebensplanung wertvollen Abschluss erlangen, so würde diese Gruppe insgesamt als homogen beschrieben werden. Dennoch werden verschiedene Noten vergeben werden und somit ist eine Leistungsheterogenität ebenfalls begründbar. Betrachten wir eine Klasse an einer Gesamtschule, scheint die Beschreibung dieser Gruppe als heterogen schon näher liegen. Allerdings werden auch in diesen Klassen unter Umständen nur die Noten 1-6 vergeben. Und betrachten wir den Unterricht in einer dörflichen Grundschule, in der alle Kinder des Dorfes zwischen 6 und 11 Jahren gemeinsam unterrichtet werden, so würden auch hier heterogene Bedingungen beschreibbar sein. Wann wir allerdings von Heterogenität sprechen, ist sehr relevant, da wir damit eine wertende Aussage treffen, die häufig eine Maßnahme fordert.

Hinzuzufügen wäre diesem Gedanken noch die Erkenntnis, dass nicht nur der Maßstab, also die Beschreibung einer Gruppe als heterogen oder homogen variabel und konstruiert ist, sondern auch die Dimension anhand derer die Vielfalt oder Gemeinsamkeiten dieser Gruppe betrachtet werden. Wenn beispielsweise der sozio-ökonomische Hintergrund von Menschen betrachtet werden soll, sind Kategorien nötig, die einteilen, was in einen „homogenen Normbereich“ fällt, und ab wann von Heterogenität definiert wird. Allerdings muss zusätzlich definiert werden, was überhaupt unter sozio-ökonomischem Hintergrund verstanden wird.

Dass diese Einteilungen relevant und immer wieder unterschiedlich konstruiert und somit wirksam werden lässt sich anhand eines kleinen Beispiels aus meinem letzten Praktikum veranschaulichen: Auf Picture-Cards wurden im Englischunterricht verschiedene Menschen mit bestimmten Gesichtsausdrücken zu Gefühlen gezeigt. Als die Karte für „Happy“ zum ersten mal gezeigt wurde, lachten viele Kinder und deuteten auf ein Mädchen aus der Klasse. In einer in Bezug auf ethnische Herkunft und Rassismuserfahrungen heterogenen Klasse war sie das einzige Schwarze Mädchen unter ca. zehn weißen Kindern und ca. zehn Kindern of Colour. Die lachenden Kinder definierten für den Moment ihre Klasse als heterogen in Bezug auf rassistische Unterteilungen und setzten einen klaren Pol.

Das scheint zu verwundern, dass auch viele Kinder, die selbst Rassismus erleben, rassistisch handeln. Es wird aber verständlicher, wenn auf die soziale Konstruktion von Maßstäben geschaut wird.

Für die Zukunft möchte ich genau beobachten, wie die Kinder sich selbst und ihre Identität definieren und wie daraus verbindende und empowernde Momente gefördert werden können, anstatt dem alltäglichen Rassismus weiterhin einen Raum zu bieten.

Ein Gedanke zu „Diskriminierungssensible Pädagogik muss ein gutes Gespür für Homogenität und Heterogenität entwickeln!“

  1. Dieser Ansicht stimme ich weitestgehend zu. Homogenität und Heterogenität werden an individuellen und oft subjektiven Maßstäben definiert. Die Leistungshomogenität, die an den Gymnasien zu finden ist, ist aber auch ein institutionell geschaffener Maßstab. Nicht nur in Schulen in ländlichen Gegenden kommt es zur Homogenisierung des Alters. Auch in vielen städtischen Grundschulen gibt es noch Klassen die kein jahrgangsübergreifendes Lernen anbieten. Hierdurch entsteht ebenso eine Altershomogenität, wie in deinem Beispiel mit der Dorfschule.

    Ein sehr wichtiger Aspekt, den du aufgegriffen hast, ist für mich der der Definition. Je nachdem wie weit ich meine „Normal-Norm“ definiere, habe ich eine eher homogene oder heterogene Gruppe. Meiner Ansicht nach ist dies ein wichtiger Faktor, insbesondere in der Arbeit an Schulen.

    Jedoch fehlt mir in deiner Ausführung der Grund für das Einteilen in Kategorien und das Schaffen einer homogenen (Lern-) Gruppe. Wir tun dies (meistens) nicht aus Boshaftigkeit, sondern um uns unser Leben zu erleichtern. Die Kategorisierung ist für uns eine Überlebensstrategie, die wir bereits im Alter von wenigen Monaten anwenden. (vgl. Fischer 2008). Zum einen bringt es uns Erleichterung, zum anderen besteht die Gefahr, dass wir in Stereotypen denken und Vorurteile bilden. Uns darüber bewusst Gedanken zu machen, sollte uns helfen, in unserem Alltag und insbesondere nachher in der beruflichen Tätigkeit, die Gefahr von Vorurteilen abwenden zu können. Diese Sensibilisierung sollte ach möglichst auf die Gruppe oder Klasse übertragen werden, damit denke ich könnte man auch die Gefahr von Rassismus, wie du sie beschrieben hast, zumindest etwas reduziert werden.

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