Schule diskriminierungssensibel und interkulturell weiterentwickeln, damit sie inklusiv werden kann!

Im Rahmen meines Fachpraktikums in Inklusive Pädagogik war ich drei Wochen in der Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße in der Bremer Neustadt. Dort habe ich erlebt und beobachtet, wie verschiedene Kinder, die später in eine (vierte) Klasse dazugekommen sind in der Klasse aufgenommen wurden. An der Schule besuchen einige Kinder vormittags (von 8 – 12) Uhr Vorklassen um Deutsch zu lernen. Das könnte als Element aus der Ausländerpädagogik gelten, da die Kinder mit sehr geringen Sprachkenntnissen, wenn sie an diese Schule kommen zunächst einmal ca. ein halbes Jahr diese Klasse besuchen. Andererseits handelt es sich um eine gebundene Ganztagsschule, was bedeutet, dass alle Kinder an drei Tagen in der Woche bis vier Uhr nachmittags und an zwei Tagen bis zwei Uhr nachmittags in der Schule sind. In der zweiten Hälfte des Tages sind die Kinder aus der Vorklasse dann in ihrer „richtigen“ Klasse, also einer ihrem Alter entsprechenden Klasse, der sie von Anfang an zugeteilt sind – somit wird hier ein hybrider Ansatz angewandt, der eine schnelle Inklusion der Kinder in der Klasse vorantreiben und sie gleichzeitig fördern soll. Ich erlebte einen Jungen an seinem zweiten Tag, den er nun „komplett“ in der Klasse war über einen Zeitraum von ca. 5 Wochen und konnte beobachten, dass diese Phase für ihn deutlich erleichtert wurde, da er schon im sozialen Geflecht der Klasse seinen Platz hatte. Ein anderer Junge hingegen, der „immer noch“ vormittags die Vorklasse besuchte fand hingegen auch im Nachmittagsbereich kaum Anschluss in der Klasse und arbeitete häufig nicht im Regelunterricht mit sondern alleine an seinen Aufgaben aus dem Deutschkurs. Somit zeigt sich, dass dieses Modell durchaus verschieden gut passt für verschiedene Kinder. Allerdings zeigte sich im Kollegium, dass viele Lehrkräfte sich nicht in vollem Maße für die Kinder, die auch den Vorkurs besuchten, einsetzten, dass sie sich nicht voll für sie verantwortlich fühlte.

In meiner eigenen ehrenamtlichen Tätigkeit in der Jugendbildungsarbeit arbeite ich häufig mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Methoden der Antirassistischen, Interkulturellen und Diversity Pädagogik. Ich hoffe diese auch in Anwendung mit Kindern in meinen zukünftigen Praktika beobachten zu können, da ich diese Methoden bisher nur auf einem sehr anspruchsvollen (und für Kinder zumindest in der Begrifflichkeit überfordernden) Niveau kenne.

In dieser Tätigkeit habe ich erlebt, wie spannen, wichtig und bereichernd das Lernen mit und über Diversity, Diskriminierung und Interkulturalität sein kann und finde es für eine Inklusive Schulentwicklung sehr wichtig. Diese Elemente noch viel stärker in Schulen zu etablieren ist eine große Herausforderung für unsere Zukunft als angehende Lehrkräfte und Weiterentwickler*innen von Schule.

Diskriminierungssensible Pädagogik muss ein gutes Gespür für Homogenität und Heterogenität entwickeln!

Mechthild Gomolla beschreibt in ihrem Buch Migration und schulischer Wandel: Unterricht. (2009) unter anderem, wie Heterogenität durch das anlegen von Maßstäben konstruiert wird. Und das erscheint auch in der nüchternen Betrachtung einiger Klassen vollkommen nachvollziehbar: Wird eine Elite-Schule betrachtet, an der alle Schüler*innen einen in ihrer weiteren Lebensplanung wertvollen Abschluss erlangen, so würde diese Gruppe insgesamt als homogen beschrieben werden. Dennoch werden verschiedene Noten vergeben werden und somit ist eine Leistungsheterogenität ebenfalls begründbar. Betrachten wir eine Klasse an einer Gesamtschule, scheint die Beschreibung dieser Gruppe als heterogen schon näher liegen. Allerdings werden auch in diesen Klassen unter Umständen nur die Noten 1-6 vergeben. Und betrachten wir den Unterricht in einer dörflichen Grundschule, in der alle Kinder des Dorfes zwischen 6 und 11 Jahren gemeinsam unterrichtet werden, so würden auch hier heterogene Bedingungen beschreibbar sein. Wann wir allerdings von Heterogenität sprechen, ist sehr relevant, da wir damit eine wertende Aussage treffen, die häufig eine Maßnahme fordert.

Hinzuzufügen wäre diesem Gedanken noch die Erkenntnis, dass nicht nur der Maßstab, also die Beschreibung einer Gruppe als heterogen oder homogen variabel und konstruiert ist, sondern auch die Dimension anhand derer die Vielfalt oder Gemeinsamkeiten dieser Gruppe betrachtet werden. Wenn beispielsweise der sozio-ökonomische Hintergrund von Menschen betrachtet werden soll, sind Kategorien nötig, die einteilen, was in einen „homogenen Normbereich“ fällt, und ab wann von Heterogenität definiert wird. Allerdings muss zusätzlich definiert werden, was überhaupt unter sozio-ökonomischem Hintergrund verstanden wird.

Dass diese Einteilungen relevant und immer wieder unterschiedlich konstruiert und somit wirksam werden lässt sich anhand eines kleinen Beispiels aus meinem letzten Praktikum veranschaulichen: Auf Picture-Cards wurden im Englischunterricht verschiedene Menschen mit bestimmten Gesichtsausdrücken zu Gefühlen gezeigt. Als die Karte für „Happy“ zum ersten mal gezeigt wurde, lachten viele Kinder und deuteten auf ein Mädchen aus der Klasse. In einer in Bezug auf ethnische Herkunft und Rassismuserfahrungen heterogenen Klasse war sie das einzige Schwarze Mädchen unter ca. zehn weißen Kindern und ca. zehn Kindern of Colour. Die lachenden Kinder definierten für den Moment ihre Klasse als heterogen in Bezug auf rassistische Unterteilungen und setzten einen klaren Pol.

Das scheint zu verwundern, dass auch viele Kinder, die selbst Rassismus erleben, rassistisch handeln. Es wird aber verständlicher, wenn auf die soziale Konstruktion von Maßstäben geschaut wird.

Für die Zukunft möchte ich genau beobachten, wie die Kinder sich selbst und ihre Identität definieren und wie daraus verbindende und empowernde Momente gefördert werden können, anstatt dem alltäglichen Rassismus weiterhin einen Raum zu bieten.